Bezüglich der Medikamente und Präparate gibt es verschiedene Medikamentenklassen und zwei verschiedene Möglichkeiten der Anwendung (oral oder äußerlich).
Steroide, die gezielt gegen einzelne Steroidhormone wirken, um den Haarausfall zu stoppen bzw. das Haarwachstum zu stimulieren. Es gibt unterschiedliche Produkte für Männer und Frauen. Präparate für Männer wären z. B.Propecia® (Wirkstoff: Finasterid), oder Avodart® (Wirkstoff: Dutasterid; für diese Anwendung noch nicht zugelassen). Schwangere Frauen dürfen unter keinen Umständen mit dem Wirkstoff Finasterid auch nur in Berührung kommen! Bei Frauen sind dies bestimmte Antiandrogene wie Cyproteron (wie in der Antibabypille Diane®). Die meisten dieser Stoffe sind verschreibungspflichtig.
Regaine® (in den USA Rogaine®, Wirkstoff Minoxidil) ist eine flüssige Substanz, die man auftragen muss. Seit Ende 2004 wird auch in Deutschland sowohl Regaine® für Männer wie auch Regaine® für Frauen angeboten; seit Juli 2005 rezeptfrei. Einziger Unterschied zwischen den Präparaten für Männer und Frauen ist ihre Dosierung (für Männer 5 %, für Frauen 2 %).
Pantostin® und Ell-Cranell® alpha (Wirkstoff jeweils: Alfatradiol, auch 17α-Estradiol) sind in Deutschland als Medikamente gegen androgenetischen Haarausfall bei Männern und Frauen zugelassen und sind insgesamt gut verträglich. Aufgrund des Anteils an Isopropylalkoholkann ein kurzfristiges Brennen auf der Kopfhaut entstehen. Darüber hinaus gibt es weitere Präparate, die sowohl Männer als auch Frauen einsetzen können. Sie werden topisch auf die Kopfhaut aufgebracht und einmassiert. Die Präparate sind, bis auf das in Pantostin noch enthaltene Parfum, identisch.
Hauptsächlich gegen die Alopecia areata bzw. entzündlichen Veränderungen der Kopfhaut angewendet werden cortisonhaltige Medikamente. Bei dieser Erkrankung gibt es außerdem eine Reiztherapie.
Gegen diffusen Haarausfall gibt es unterschiedliche rezeptfreie Produkte. Pantovigar ist eine Kombination verschiedener Wirkstoffe, die unter anderem Cystin und B-Vitamine enthält, die den Haarausfall stoppen und das Haarwachstum wieder normalisieren sollen. Cystin ist der Hauptbestandteil des Haarkeratins, die Vitamine B1 und B5 spielen bei die Zellteilung, also auch der Bildung von neuen Haarzellen, eine wichtige Rolle. Ferner gibt es rezeptfreie Aufbaustoffe, deren Wirksamkeit aber nur teilweise wissenschaftlich belegt ist. Man kann z. B. Biotin (Vitamin H) verwenden. Biotin ist essentiell für die Bildung der Hornsubstanz Keratin und trägt somit wesentlich zum gesunden Wachstum von Haut, Haaren und Fingernägeln bei. Hochdosiert kann es das Haarwachstum fördern und die Haarqualität und Widerstandsfähigkeit (z. B. bei dünnem oder brüchigem Haar) verbessern. Es ist allerdings in größeren Studien noch nicht gezeigt worden, dass Biotin gegen Haarausfall hilft.
Triterpenglykoside aus der Traubensilberkerze (Cimicifuga Racemosa) entfalten östrogenartige Wirkungen (Selective Estrogen Receptor Modulator, SERM), die dem hormonbedingten Haarausfall entgegenwirken.
Für fast alle Produkte gilt: Setzt man die Substanz ab, so fällt das neugewonnene Haar wieder aus. Das heißt, man muss die Substanzen ein Leben lang einnehmen bzw. auftragen, um einen dauerhaften Erfolg zu erreichen. Alle Präparate benötigen mindestens zwei Monate, bevor überhaupt eine Besserung möglich, da ein neuwachsendes Haar diese Zeit benötigt, um durch die Haut zu wachsen. Finasterid-basierte Produkte müssen etwa sechs Monate angewandt werden, bevor erste Erfolge sichtbar werden können.
Der letzte Ausweg ist die Haartransplantation, welche jedoch nicht bei an einer Autoimmunkrankheit oder entzündlichem Haarausfall leidenden Personen angewendet werden kann.
Kaschieren bzw. Kosmetik ist eine häufig angewendete Methode, um die Zeit zu überbrücken, bis die anderen Mittel angeschlagen haben. Denkbar sind hierbei sog. MicroHairs (sofern wenig Resthaar vorhanden) oder Haarteile (wenn kein Resthaar oder große kahle Stellen).
Darüber hinaus gibt es noch zwei Ansätze bei der Behandlung von Alopecia areata. Die erste Variante ist, das Immunsystem so weit zu schwächen, dass es die Haare nicht mehr angreifen kann. Die zweite Variante ist, dem Immunsystem beizubringen, die Haare nicht mehr anzugreifen und abzustoßen.
Bei starkem Haarausfall ist der Besuch eines Hautarztes empfehlenswert. Der normale Haarausfall wird mit etwa 60–120 Haaren pro Tag angegeben, bei Frauen gibt es allerdings hormonbedingte Schwankungen, die Einfluss auf das Haarwachstum haben können.